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China: von totaler Abschottung zum Global Player

Lisa Yang stammt aus der Inneren Mongolei, eine Provinz im Nordosten Chinas. Sie arbeitet seit 2013 bei Bosch Packaging Systems (Schweiz) im Vertrieb und ist für die asiatischen Märkte zuständig. Im folgenden Kurzinterview teilt sie mit uns ihre persönlichen Eindrücke zu den Themen Markt, Gesellschaft und Konsumverhalten der jüngeren Generationen in China.

Seit Jahren verzeichnet China ein beachtliches, kontinuierliches Wirtschaftswachstum, und eröffnet für viele internationale Hersteller ganz neue Absatzperspektiven. Ebenso dynamisch wie der Markt sind die 1,4 Milliarden Konsumenten: kaufkräftig, technikaffin und experimentierfreudig.

 

Lisa, welche Entwicklungen siehst Du aktuell in der chinesischen Wirtschaft?

Bezahlen mit dem Smartphone

Der chinesische Markt ist immer noch extrem dynamisch. China hat 1,4 Milliarden Einwohner – Tendenz steigend. Von daher ist es kein Wunder, dass sehr viele Unternehmen China als strategisch wichtigen Markt betrachten. Die Konsumenten sind generell sehr offen für Neues und fordern von Unternehmen konstante Innovation. Egal welche Branche, die Hersteller müssen laufend neue, attraktive Produkte auf den Markt bringen. Jedes Mal wenn ich nach China reise, sehe ich Dinge, die es sechs Monate zuvor noch gar nicht gab.

China ist zum Beispiel auf dem Weg zu einer komplett bargeldlosen Gesellschaft. Apps wie WeChat oder AliPay haben sich mit ihrem QR-Code Zahlsystem im Markt durchgesetzt. Egal ob Supermarkt, Bustickets, im Restaurant oder beim kleinen Händler auf dem Straßenmarkt, man bezahlt einfach und schnell per Handy. Bei uns werden neue Technologien generell sehr schnell angenommen. Da gibt es keine Berührungsängste.

 

Kannst Du uns ein wenig beschreiben wie sich China über die Jahre verändert hat?

Der Auslöser für den enormen Wandel war die Öffnung des Marktes. Diese Entwicklung begann 1978. In ausgewiesenen Zonen wurde die Wirtschaft Schritt für Schritt für den internationalen Handel entwickelt. Dieser Prozess hat über die Jahre immer mehr Fahrt aufgenommen. Heute ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft mit der stärksten Kaufkraft weltweit. Wenn man bedenkt, dass von totaler Abschottung bis zum globalen Player nur 40 Jahre liegen, dann ist das eine große Leistung. Die chinesische Bevölkerung profitiert von dieser Entwicklung. Es wurden sehr viele Jobs geschaffen. Inzwischen gibt es eine stabile, wachsende Mittelschicht. Aber auch die niedrigeren Einkommensgruppen haben heute mehr Geld in der Tasche als je zuvor, und jeder leistet sich gerne ein klein wenig Luxus. Aktuell ist die allgemeine Zufriedenheit in der Bevölkerung hoch.

 

Shanghai, eine Wirtschaftsmetropole mit mehr als 24 Millionen Einwohnern

 

Dieses rasante Wirtschaftswachstum bringt sicher auch einige gesellschaftliche Umbrüche mit sich. Du bist ja auch in dieser Zeit aufgewachsen. Welche Veränderungen siehst Du?

Mit der Öffnung und der daraus resultierenden wirtschaftlichen Entwicklung verändert sich natürlich auch die Gesellschaft. Wir, die in den 80er und 90er Jahren geboren wurden, erleben ein ganz anderes China als noch unsere Eltern und Großeltern. Früher stellte die Familie das soziale System dar. Man blieb zusammen, um sich gegenseitig abzusichern. Heute ziehen die Kinder früh aus dem Elternhaus aus. Sie führen ein unabhängiges Leben, reisen viel und arbeiten – so wie ich – im Ausland; eigentlich gar nicht so viel anders als in anderen Ländern. Die jungen Chinesen werden von dem permanenten Aufschwung und dem stetig wachsenden Wohlstand geprägt. Sie sehen ihre Chancen in dem extrem dynamischen Umfeld. Sie sind ehrgeizig und arbeiten hart für ihr berufliches Fortkommen. Karriere und möglichst viel Geld verdienen ist für viele das große Ziel.

 

Lisa Yang

 

Eines Deiner Geschäftsfelder im chinesischen Markt ist die Schokoladenindustrie. Ist Schokolade eigentlich beliebt in China?

Traditionell lieben wir eher salzige Snacks. Süßigkeiten gab es zwar auch früher schon, aber sie waren nicht so populär wie heute. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, an dem ich als Kind die erste echte Schokolade gegessen habe. Die Schokolade zerging auf der Zunge. Das war eine ganz neue Erfahrung. Wir kannten bis dahin nur künstliche Schokolade. Die war steinhart, von „zartem Schmelz“ keine Spur. Heute ist das natürlich nichts Besonderes mehr, denn mit dem Generationenwechsel und dem internationalen Angebot an Süßwaren passt sich langsam auch der Geschmack der Bevölkerung an das erweiterte Angebot an. Der chinesische Schokoladenmarkt wird von den internationalen Herstellern beherrscht u.a. Mars, Mondelēz, Ferrero, Hershey und Nestlé. Diese haben zusammen einen Marktanteil von rund 70 Prozent.

 

Was ist Deines Erachtens der größte Trend in China?

Ganz klar E-Commerce. Das ist zwar schon lange kein Trend mehr, aber mit E-Pay, E-Food und so weiter erleben wir in China bereits die nächste Stufe der E-Commerce Services. Im vergangenen Jahr stieg der E-Commerce Markt um 24 Prozent. China hat inzwischen online fast doppelt so viel umgesetzt wie die USA. Wer in China Erfolg haben will, muss auch online verkaufen und das mit attraktiven Produkten, die auf einer der leistungsfähigen E-Commerce Plattformen angeboten werden.

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